Der Reißverschluss: Das kleine Meisterwerk, das wir jeden Tag dutzende Male öffnen und schließen, ohne es überhaupt zu bemerken
Luigi ZucchinoShare
Wie viele Reißverschlüsse benutzen wir eigentlich jeden Tag?
Nimm dir einen Moment Zeit und zähle einmal nach.
Den Reißverschluss deiner Jeans. Den deiner Jacke. Deines Hoodies. Deiner Geldbörse. Deines Rucksacks. Deiner Computertasche. Deines Kulturbeutels. Deines Koffers. Deines Schlafsacks. Deines Zeltes.
Es fällt uns kaum auf, aber man kann schätzen, dass jeder von uns zwischen 50 und 80 Reißverschlüsse besitzt. Sie sind überall: an Kleidung, Taschen, Rucksäcken, Koffern, Kulturbeuteln, Bettbezügen, Kissenbezügen und an unzähligen weiteren Gegenständen, die wir täglich benutzen.
Der Reißverschluss gehört zu den Dingen, von denen man glaubt, dass es sie schon immer gegeben hat. Tatsächlich aber wurde er erst vor etwas mehr als hundert Jahren erfunden.
Heute ist er eines der am weitesten verbreiteten Verschlusssysteme der Welt: einfach, preiswert, zuverlässig und genial.
Wie entstand der Reißverschluss?
Die Geschichte des Reißverschlusses ist viel älter, als die meisten vermuten.
Bereits 1851 meldete der amerikanische Erfinder Elias Howe, derselbe Mann, der maßgeblich zur Entwicklung der modernen Nähmaschine beitrug, ein Patent für einen automatischen Kleidungsverschluss an. Die Idee war brillant, hatte jedoch keinen kommerziellen Erfolg, weil sie für den damaligen Stand der Technik noch zu kompliziert war. Sie war jedoch der erste Schritt – genau wie das Flugzeug der Gebrüder Wright: noch unvollkommen, aber dazu bestimmt, die Welt zu verändern.
Erst 1893 stellte Whitcomb Judson eine weiterentwickelte Version eines Metallverschlusses vor, die ursprünglich das Schließen von Schuhen erleichtern sollte. Auch diese Konstruktion war jedoch noch nicht zuverlässig genug.
Der entscheidende Durchbruch gelang schließlich 1913 dem schwedischen Ingenieur Gideon Sundback. Er entwickelte einen Reißverschluss, der dem heutigen bereits sehr ähnlich war: kleinere und zahlreichere Zähne sowie einen Schieber, der die Zähne präzise miteinander verbindet oder voneinander trennt.
Damit war der moderne Reißverschluss geboren.
Der erste große Erfolg
Zunächst blieb der Reißverschluss einige Jahre lang eher eine technische Kuriosität.
Seine eigentliche Verbreitung begann in den 1920er-Jahren, als er für militärische Ausrüstung, Fliegerbekleidung und Sportartikel verwendet wurde.
Der erste Massenartikel, der mit einem Reißverschluss ausgestattet wurde, war jedoch überraschend schlicht:
die Gummistiefel der Firma B. F. Goodrich.
Genau dieses Unternehmen prägte auch den Begriff „Zipper“, der vom charakteristischen Geräusch beim Schließen inspiriert war.
Von diesem Moment an begann der Reißverschluss Knöpfe und Schnürsenkel nach und nach zu ersetzen.
In den 1930er-Jahren hielt er Einzug in Herrenhosen.
In den 1950er-Jahren gehörte er bereits selbstverständlich zu nahezu jedem Kleiderschrank.
Warum gibt es so viele verschiedene Reißverschlüsse?
Auf den ersten Blick sehen sie alle gleich aus.
In Wirklichkeit ist die Welt der Reißverschlüsse äußerst komplex.
Es gibt Reißverschlüsse für nahezu jede Anwendung:
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aus Metall;
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aus Kunststoff;
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Spiralreißverschlüsse (Coil);
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nahtverdeckte Reißverschlüsse;
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wasserdichte Reißverschlüsse;
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flammhemmende Reißverschlüsse;
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Zwei-Wege-Reißverschlüsse;
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teilbare Reißverschlüsse;
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nicht teilbare Reißverschlüsse;
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mit großen oder sehr kleinen Zähnen.
Außerdem unterscheiden sie sich in:
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ihrer Breite;
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der Zahnteilung;
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der Form des Schiebers;
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dem Verriegelungssystem;
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den verwendeten Materialien;
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ihrer Belastbarkeit.
Für jemanden, der Reißverschlüsse repariert, stellt all das eine echte Herausforderung dar.
Viele Modelle werden bereits nach wenigen Jahren nicht mehr hergestellt.
Den passenden Schieber zu finden, erfordert Erfahrung und ein großes Ersatzteillager.
Manchmal genügt es, nur den Schieber auszutauschen.
In anderen Fällen muss der gesamte Reißverschluss ersetzt werden – eine Arbeit, die viel Zeit und Präzision verlangt. Hinzu kommt, dass moderne Kleidung in den meisten Fällen nicht dafür entwickelt wurde, repariert zu werden, sondern möglichst schnell und kostengünstig produziert zu werden.
Der Reißverschluss einer Jeans: klein, robust und für eine lange Lebensdauer gebaut
Der Reißverschluss einer Jeans arbeitet unter besonders hohen Belastungen.
Tag für Tag muss er standhalten:
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hohen Zugkräften;
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ständigem Biegen;
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Schmutz;
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Staub;
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Feuchtigkeit;
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den permanenten Bewegungen des Körpers.
Aus diesem Grund bestehen Jeans-Reißverschlüsse meist aus Messing, einem besonders verschleißfesten Material.
Auch der Schieber besitzt eine entscheidende Eigenschaft. Er muss über eine automatische Verriegelung (Auto-Lock) verfügen, obwohl sich der Zipper frei bewegen lässt. Genau dieser Mechanismus verhindert, dass sich der Reißverschluss unter Belastung von selbst öffnet.
Du kannst das ganz einfach selbst überprüfen. Klappe den Zipper im rechten Winkel vom Reißverschluss weg – ABER ZIEHE NICHT DARAN. Wenn sich der Schieber in dieser Position leicht nach unten bewegen lässt, ist er für eine Hose ungeeignet. Beim Sitzen kann der Zipper nämlich unbeabsichtigt genau diese Stellung einnehmen und der Reißverschluss würde sich öffnen. Ein hochwertiger Jeans-Reißverschluss darf das niemals tun.
Ein guter Reißverschluss funktioniert problemlos auch nach zehntausenden Öffnungs- und Schließvorgängen.
So pflegst du deinen Reißverschluss richtig
Ein Reißverschluss benötigt kaum Pflege.
Schon wenige einfache Maßnahmen reichen aus.
Vor dem Waschen immer schließen
Das ist wahrscheinlich der wichtigste Tipp überhaupt.
Ein geöffneter Reißverschluss kann sich während des Waschens in anderen Kleidungsstücken verfangen, sich verbiegen oder empfindliche Stoffe beschädigen.
Ist er geschlossen, schützt das sowohl den Reißverschluss als auch die übrige Wäsche.
Den Schieber niemals mit Gewalt bewegen
Wenn der Schieber klemmt, gibt es immer einen Grund.
Ist Stoff eingeklemmt, ziehe niemals mit Gewalt daran. Schiebe den Schieber vorsichtig zurück, befreie den Stoff und schließe den Reißverschluss anschließend erneut. Genau das gehört zu den häufigsten Ursachen für beschädigte Reißverschlüsse.
Den Reißverschluss sauber halten
Staub, Sand, Fäden oder kleine Schmutzpartikel können sich zwischen den Zähnen festsetzen.
Eine weiche Bürste genügt oft schon, um den Reißverschluss wieder leichtgängig zu machen.
Nur bei Bedarf schmieren
Wenn sich der Schieber schwer bewegen lässt, können spezielle Pflegemittel oder eine winzige Menge Wachs oder Seife helfen.
Schwere Öle sollten dagegen niemals verwendet werden, da sie Schmutz anziehen und Kunststoffreißverschlüsse beschädigen können.
Eine kleine Erfindung, die bis heute die Welt verändert
Wir betrachten den Reißverschluss meist nur als Verschluss an Jeans, Jacken oder Koffern. Tatsächlich gehört er jedoch zu den intelligentesten und vielseitigsten mechanischen Erfindungen überhaupt.
Sein mechanisches Prinzip ist so einfach und gleichzeitig so genial, dass es sich seit über hundert Jahren praktisch nicht verändert hat.
Heute findet man Reißverschlüsse nicht nur in Raumanzügen, professionellen Taucheranzügen, Schutzkleidung für Feuerwehrleute und Bergsteiger oder in zahlreichen industriellen Anwendungen – ihr Funktionsprinzip hat sogar die Medizintechnik inspiriert.
Inzwischen gibt es spezielle „chirurgische Reißverschlüsse“, medizinische Verschlusssysteme, mit denen Operationswunden ohne herkömmliche Nähte oder Klammern verschlossen werden können. Zwei selbstklebende Streifen werden beidseitig der Wunde angebracht und anschließend mit einem reißverschlussähnlichen Mechanismus zusammengeführt, sodass sich die Spannung gleichmäßig verteilt. In bestimmten Fällen kann das System sogar geöffnet und wieder verschlossen werden, damit Ärzte die Wunde kontrollieren können, ohne den gesamten Verschluss entfernen zu müssen.
Alle großen Erfindungen haben eines gemeinsam: Wenn sie perfekt funktionieren, bemerken wir sie kaum noch. Der Reißverschluss gehört genau dazu. Er ist leise, unauffällig und beinahe unsichtbar – und begleitet uns dennoch jeden einzelnen Tag unseres Lebens. Vielleicht ist genau das der beste Beweis für seine außergewöhnliche Genialität.